JKB



     Hygiene
Hygienemanagement
       
   
  
 
 
 Frau Kneitschel
 
  Hr. Dr. med. Müller
  


Hygienemanagement im Jüdischen Krankenhaus Berlin

Etwa eine halbe Million Menschen infizieren sich jedes Jahr in deutschen Krankenhäusern mit einer sogenannten nosokomialen, also einer im Krankenhaus erworbenen Infektion. Bakterien und andere Erreger gehören zum Leben dazu. Unser Immunsystem sorgt dafür, dass sie uns nicht schaden, werden wir doch einmal krank, helfen Antibiotika. Doch viele Keime haben gelernt, den Angriff dieser Mittel zu überleben. Kranke und geschwächte Menschen sind zudem stärker gefährdet, ihre Abwehrkräfte sind oft kaum in der Lage dagegen anzukämpfen. Besonders viele dieser gefährlichen Erreger leben in deutschen Kliniken. Wenn sich Patienten im Krankenhaus mit diesen Erregern infizieren, sprechen Fachleute von nosokomialen Infektionen. Das Wort nosokomiale Infektionen stammt aus dem Griechischen, Knossos bedeutet Krankheit und Komi Pflegen.
Warum gerade in Kliniken Infektionen auftreten ist schnell erklärt. Hier kommen viele Menschen zusammen. Jeder trägt Bakterien, Pilze und Einzeller mit sich herum, ganz natürlich, ohne dass sie Schaden anrichten. Gerät jedoch ein solcher Erreger in eine Wunde, kann er gefährlich werden. Genauso werden Keime durch Krankenschwestern, Ärzte und Besucher oder von einem Patienten zum nächsten getragen.
Der demografische Wandel verschärft das Problem. Mehr ältere und vielfach vorerkrankte Patienten werden in Kliniken versorgt. Sie haben in ihrem Leben schon häufig Antibiotika eingenommen. Die Patienten werden mit immer komplizierteren diagnostischen und therapeutischen Eingriffen versorgt. Es werden Schrittmacher, Gelenke, Gefäßprothesen, Herzklappen und ähnliches eingesetzt. Solche Materialien verbergen auch immer ein Risiko für Infektionen.
Ein fachkundiges Hygienemanagement gehört demzufolge maßgeblich zum hochwertigen und zeitgemäßen Standard eines jeden Krankenhauses.

Das Hygienemanagement im Jüdischen Krankenhaus Berlin ist auf den Richtlinien für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert-Koch-Instituts, RKI ausgerichtet. Zur Sicherstellung der Hygiene im Sinne der uns anvertrauten Patientinnen und Patienten und unseren Beschäftigten, nehmen wir das Thema Krankenhaushygiene sehr ernst.

Vielfältige Aufgaben der Krankenhaushygiene

Wichtigste Aufgabe der Krankenhaushygiene ist die Vermeidung von Infektionen.
Die meisten Erreger werden durch Hände übertragen. Die einfachste und wich-tigste Maßnahme zur Verhütung von Krankenhausinfektion ist die Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt. Hier legt das Jüdische Krankenhaus einen Schwerpunkt in seinem Hygienekonzept sowie bei der Schulung seiner Mitarbeiter.
Die Teilnahme an der Aktion „Saubere Hände“ zur Vermeidung von Krankenhausinfektionen wird im Jüdischen Krankenhaus Berlin seit 2008 mit gutem Erfolg durchgeführt. Dies führte zu einer Sensibilisierung der pflegerischen und ärztlichen Mitarbeiter im Klinikalltag und zu einer deutlichen Erhöhung des Verbrauchs von Händedesinfektionsmittel. Diese Entwicklung lässt auf eine Vervielfachung der regelmäßigen Händedesinfektion schließen.

Ansprechpartner der Krankenhaushygiene

Frau Doris Panneck, Krankenschwester und Hygienefachkraft ist gemeinsam mit unserer Hygienefachkraft in Weiterbildung und Hygienebeauftragten Frau Susanne Kneitschel im Krankenhausbereich und im Wohnpflegezentrum für den Bereich der Hygiene verantwortlich. Ihre Hauptaufgabe ist es, durch Infektionsprävention, also Verhütung, Erkennung und die Bekämpfung von Infektionen, diese möglichst zu vermeiden.

Herr Dr. Martin Müller ist als hygienebeauftragter Arzt für die Erfassung und Kommunikation der Aspekte der Hygiene zuständig, er sorgt dafür, dass die vom Ärztlichen Direktor festgelegten Maßnahmen zur Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankenhausinfektionen durchgeführt werden.

Aufgaben der Hygienefachkräfte und des hygienebeauftragten Arztes

  • Ansprechpartner für Ärzte und Pflegepersonal für alle Fragen der Hygiene
  • Beratung der Mitarbeiter und routinemäßige Begehungen von Stationen und Funktionsbereichen zur Einhaltung der Hygienebestimmungen
  • Erstellung und Fortschreibung eines Hygiene- und Desinfektionsplanes
  • Erfassung und Bewertung nosokomialer Infektionen sowie die Früherkennung von Krankenhausinfektionen
  • Fortbildung des Personals und Durchführung von Hygieneschulungen
  • Hygienische Überwachungsuntersuchungen von medizinischen Geräten, Reinigungs- und Desinfektionsgeräten, Sterilisatoren
  • Kontrolle der Reinigungsleistungen, der Trinkwasserqualität, der Klimaanlagen, der Klinikwäsche und der Speiseversorgung
  • Erstellung hygienischer Standards, z.B. Verhalten bei Patienten mit einer Infektion mit Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus, MRSA
  • Erfassen, Aufbereiten und Bewerten von hygienerelevanten Daten
Hygieneteam

Zur Unterstützung der Hygienefachkräfte und des Hygienebeauftragten ist im Jüdischen Krankenhaus ein Hygieneteam, bestehend aus Ärzten und Pflegekräften aller Fachbereiche, zuständig für Aufklärung, Beratung und Schulung der Beschäftigten. Sie halten zum adäquaten Handeln in der täglichen Routine an und überwachen die Hygiene und Infektionsprävention auf den Stationen und in den einzelnen Betriebsbereichen.

Organisation der Krankenhaushygiene

  • Der Ärztliche Direktor
    Der Ärztliche Direktor ist für die krankenhaushygienischen Angelegenheiten im Gesamtbereich des Krankenhauses verantwortlich.

  • Die Kaufmännische Direktorin
    Die Kaufmännische Direktorin schafft die sächlichen und personellen Voraussetzungen für die Durchführung der hygienischen Maßnahmen.

  • Der hygienebeauftragte Arzt
    Er sorgt dafür, dass die vom Ärztlichen Direktor festgelegten Maßnahmen zur Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankenhausinfektionen durchgeführt werden.

  • Der Krankenhaushygieniker
    Er berät den Ärztlichen Direktor in allen die Krankenhaushygiene betreffenden Fragen. Maßnahmen zur Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankenhausinfektionen werden von ihm fachlich angeleitet.

  • Die Hygienefachkräfte
    Die Hygienefachkräfte sind praxiserfahrene Pflegekräfte, die durch eine Zusatzqualifizierung spezielle Kenntnisse auf dem Gebiet der Krankenhaushygiene erworben haben.

  • Der Betriebsarzt
    Das Krankenhauspersonal kann Träger und Überträger von Krankheitserregern sein. Deshalb müssen diese Personen besonders vor Infektionen geschützt werden. Personen, die in Bereichen arbeiten, von denen Infektionen ausgehen können, werden gesundheitlich vom Betriebsarzt betreut.

  • Das Gesundheitsamt
    Das Gesundheitsamt von Berlin Mitte, vertreten durch den Amtsarzt, begeht regelmäßig die Klinikbereiche. Hierbei werden die hygienischen, baulichfunktionellen und organisatorischen Gegebenheiten kontrolliert.

  • Die Hygienekommission
    Die Hygienekommission ist ein beratendes und unterstützendes Gremium in allen krankenhaushygienischen Angelegenheiten. Sie setzt sich wie folgt zusammen:

    • Ärztlicher Direktor
    • Kaufmännische Direktorin
    • Pflegedirektorin
    • Hygienebeauftragter Arzt
    • Mikrobiologin (Labor)
    • Krankenhaushygieniker
    • Hygienefachkräfte
    • Betriebsarzt
    • Pflegerische Leitung der Zentralen Operationsabteilung
    • Zu ausgewählten Themen werden im Bedarfsfall Spezialisten hinzugezogen
Die Hygienekommissionssitzungen finden regelmäßig, mindestens 2x jährlich statt. Hier werden aktuelle Themen aus dem Bereich Krankenhaushygiene diskutiert, neue Regelungen und Hygienepläne verabschiedet und Gesetzesänderungen und deren Auswirkungen auf den Krankenhausbetrieb besprochen.

Instrumente des Hygienemanagements

Hygiene- und Desinfektionspläne

Ziel der Hygienepläne ist es, unsere Patienten während ihres Krankenhausaufenthaltes durch festgelegte Verhaltensweisen bei medizinischen und pflegerischen Maßnahmen vor vermeidbaren Infektionen zu schützen.
Durch die Einhaltung der Anordnung der Hygienepläne ist andererseits auch sichergestellt, dass das Personal keinen unnötigen Gesundheitsgefährdungen ausgesetzt ist.
Es ist die Pflicht jeden Arztes, einer jeden Pflegekraft und aller anderen im Krankenhaus tätigen Personen, in ihren Tätigkeiten auf die Einhaltung der Grundsätze der Antisepsis und Asepsis zu achten.

Erfassung und Statistik hygienerelevanter Daten

Die wichtigsten infektionsrelevanten Erreger wie MRSA (Methicillinresistenter Staphylokokkus aureus, auch multiresistenter Staphylokokkus aureus), ESBL Erreger (Extended-Spectrum-Beta-Lactamase, engl. für Breitspektrum-Betalaktamase) und VRE (Vancomycinresistente Enterokokken) werden täglich erfasst. Patienten mit Risikofaktoren werden schon bei ihrer Aufnahme im Jüdischen Krankenhaus Berlin auf "mitgebrachte" Erreger (z. B. MRSA) untersucht.
Das Jüdische Krankenhaus Berlin übermittelt Infektionsraten an die deutschlandweite Initiative KISS (Krankenhaus Infektion Surveillance System) des nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen. Dort werden diese Daten aufbereitet und mit anderen Kliniken deutschlandweit verglichen. Unsere Rate liegt unter dem deutschlandweiten Mittelwert. Ein Ergebnis das unterstreicht, dass das Hygienemanagement in unserem Krankenhaus gut funktioniert.

Erfasst werden:
  • Händedesinfektionsmittelverbrauch
  • Wundinfektionen
  • Multiresistente Keime.
Verbrauch von Händedesinfektionsmittel:

Der Verbrauch von Händedesinfektionsmitteln gilt als Indikator für die Häufigkeit der Händedesinfektionen des Personals. Bekanntermaßen werden zahlreiche Erreger durch das Personal übertragen. Eine einfache und effektive Maßnahme zur Reduktion dieser Risiken sind regelmäßige Händedesinfektionen vor und nach jedem Patientenkontakt.

Wissenschaftlichen Studien zufolge, wird diese Maßnahme in deutschen Krankenhäusern nicht effizient und häufig genug berücksichtigt. Aus diesem Grunde hat das Bundesgesundheitsministerium gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (APS) im Jahr 2008 die „Aktion Saubere Hände“ initiiert. Deutschlandweit beteiligen sich über 200 Krankenhäuser an dieser Aktion.

Auch das Jüdische Krankenhaus Berlin ist von Beginn an dabei. Seit der Sensibilisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Häufigkeit der Händedesinfektionen des Personals deutlich zugenommen. Die Vergleichsdaten werden jährlich an das Nationale Referenzzentrum gemeldet, unsere Ergebnisse können sich, besonders im Vergleich mit den Vergleichswerten Deutschland, sehen lassen:

Jahr

Anzahl Händedesinfektionen Jüdisches Krankenhaus Berlin

Anzahl Händedesinfektionen

Vergleichswerte

Deutschland gesamt

2008

9 pro Patient / Tag

6 pro Patient / Tag

2009

10 pro Patient / Tag

7 pro Patient / Tag

2010

12 pro Patient / Tag

7 pro Patient / Tag


Multiresistente Erreger

Die, während der Behandlung im Krankenhaus erworbenen, multiresistenten Keime, wurden im Jüdischen Krankenhaus im Zeitraum von 2008 bis 2010 von 22% auf 14% reduziert.

86% der Patienten, bei denen im Jüdischen Krankenhaus ein MRSA-Keim festgestellt wird, haben diesen bereits mitgebracht. Das zeigt, dass 14% der festgestellten Infektionen krankenhausintern erworben bzw. übertragen wird, somit liegen wir unterhalb des deutschlandweiten Mittelwertes von 16%.

Keimspektrum, Resistenzen und Antibiotikaeinsatz

In regelmäßigen Abständen erhalten die verantwortlichen Ärzte und die Pflegedirektion im Jüdischen Krankenhaus die Auswertungen über das Keimspektrum und die Keimbilanz sowie die Resistenzstatistik. Damit wird die Möglichkeit gegeben, das das Antibiotikamanagement regelmäßig zu evaluieren und anzupassen. Der gezielte Antibiotikaeinsatz gilt heutzutage als absolut notwendig. um weitere Resistenzentwicklungen in der Bundesrepublik zu verhindern.

Perioperative Infektionsraten

Für die Ermittlung der perioperativen Infektionsraten werden sogenannte Indikatoroperationen herangezogen. Das heißt, bestimmte operative Eingriffe unterliegen einer genauen Kontrolle und einem Vergleich durch das nationale Referenzzentrum. So wurden im Jüdischen Krankenhaus vom 01.01.2010 – 31.12.2010 bei 3.180 Operationen 52 Infekte verzeichnet. Dies entspricht einer Infektionsrate von 1,6% und liegt unterhalb der bundesweiten Vergleichswerte von 1,8%.

Fazit

Die Maßnahmen der Krankenhaushygiene im Jüdischen Krankenhaus Berlin sind vielfältig und effektiv. Die intensive Kommunikation und die direkte Einbeziehung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen zu einer hohen Sensibilisierung bei und fördern das Verantwortungsbewusstsein und die Sorgfalt im klinischen Alltag.
Offener Umgang mit den Ergebnissen, eine hohe Transparenz und eine Kultur in der das aktive Fehlermanagement gefördert wird, stellen eine der Grundsäulen der strategischen Ausrichtung dar und tragen zum Erfolg des Krankenhauses bei. Dieses Vorgehen schützt unsere Patientinnen und Patienten aber auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichermaßen.

Zertifikate

     
Kontakt:

Frau Kneitschel
Tel. 030 - 4994-2490 | eMail: Susanne.kneitschel@jkb-online.de